Achtsamkeitstage auf der Arche Kinder-Ranch

Achtsamkeitstage auf der Arche Kinder-Ranch

Kann man Achtsamkeit lernen? Für viele Kinder ist dieser Begriff oder, besser gesagt, das wofür er steht, ein unbekanntes Terrain. Achtsamkeit, Empathie, die Aufmerksamkeit anderen und auch sich selbst gegenüber als Grundlage für ein glückliches Leben, werden dem Menschen nicht unbedingt in die Wiege gelegt – sie müssen erfahren werden, um einen Lernprozess anzustoßen.

Im Rahmen der Achtsamkeitstage auf der Arche Kinder-Ranch, unterstützt von der Bepanthen-Kinderförderung, sollten diese Eigenschaften benachteiligten Kindern in der Begegnung mit Therapietieren nahegebracht werden. Die teilnehmenden Arche-Kinder aus dem Berliner Raum hatten an jeweils einem der beiden Veranstaltungstage am 24. und 25. Oktober 2017 die Möglichkeit, unter qualifizierter Anleitung in der Arbeit mit Therapiehunden und -pferden ihr Selbstwertgefühl und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu erkennen und zu stärken.

Ergebnisse der Achtsamkeitsstudie 2017

In der Studie „Achtsamkeit in Deutschland: Kommen unsere Kinder zu kurz?“ der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung zeigte sich, dass sich fast jedes dritte Kind und jeder fünfte Jugendliche von seinen Eltern nicht beachtet fühlt. Das sind insgesamt 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland. Die Folgen können Defizite im Selbstbewusstsein, Vertrauen, in Lebenszufriedenheit und Empathiefähigkeit sein. „Viele der Kinder, die die Arche besuchen, werden in ihren Familien nur selten als Kinder wahrgenommen. Sie sind in den Augen ihrer Eltern kleine Erwachsene und müssen häufig deren Pflichten übernehmen. Damit werden sie oft so stark überfordert, dass die Entwicklung eines natürlichen Empathieempfindens und die Fähigkeit des Aufeinanderachtens auf der Strecke bleiben“, so Bernd Siggelkow, Gründer des Kinder- und Jugendhilfswerks „Die Arche“ e.V.

Erfahrung von Achtsamkeit durch den Umgang mit Tieren

Auf der Arche-Ranch erlebten die Kinder unter der Anleitung von Tierpädagogen der Arche, allein und auch in der Gruppe, was Achtsamkeit bedeutet und welcher Nutzen darin für sie selbst und für andere liegt. Ganz unmittelbar machten sie diese Erfahrung in der Begegnung mit einem Therapiehund. Der Hund orientiert sich am Verhalten des Kindes und wartet darauf, klare Informationen zu erhalten. Die Arche-Kinder lernten, wie wichtig es ist, eigene Empfindungen und Wünsche auszudrücken und mit der Reaktion darauf umzugehen. Dies stärkt Selbstbewusstsein und Frustrationstoleranz, denn so wird das Gegenüber als eigenständiger Interaktionspartner erkannt.

Die Kontaktaufnahme mit einem Therapiepferd war die nächste Stufe des Programms. Der Abbau von Ängsten sowie der gleichzeitige Aufbau von Vertrauen konnten hier ganz natürlich erfahren werden. Das Pferd spürt emotionale Spannungen des Kindes, spiegelt seine Stimmung und sein Verhalten wider. Auf diese Weise führte es die Kinder geradlinig zu einem achtsamen Umgang mit dem Gegenüber und einer Reflexion des eigenen Verhaltens.

Tiere als Co-Therapeuten sprechen alle Sinne an. Die sich daraus entwickelnde Beziehung und die damit verbundenen positiven Effekte für die Entwicklung des Kindes stehen im Fokus der therapeutischen Arbeit. Die Begegnungen mit den Tieren waren als Gruppenerlebnis angelegt und so lernten die Kinder, mit Anderen und deren Bedürfnissen achtsam umzugehen. Alle Begegnungen vermittelten den Kindern die Erfahrung, dass Achtsamkeit keine Einbahnstraße, sondern die Grundlage für eine positive wechselseitige Beziehung ist.

Projektunterstützung durch Katja Saalfrank

Seit 2013 setzt sich die Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung, Katja Saalfrank, für die Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien ein. Die Diplom-Pädagogin und Familienberaterin begleitete das Projekt schon in der Konzeptionsphase: „Achtsamkeit, Empathie und Selbstwertgefühl müssen durch positive Erfahrungen entwickelt werden. Dauerhaft verankert werden können diese Erfahrungen jedoch nur in einem Zusammenspiel von kognitivem, emotionalem und körperlichem Erleben. Die Achtsamkeitstage auf der Arche Kinder-Ranch waren hierfür eine großartige Chance.“

Ergänzendes Förderprogramm für weitere Arche-Kinder in Deutschland

Anknüpfend an die Tage auf der Arche-Ranch bot die Bepanthen-Kinderförderung zusätzliche Achtsamkeitstage in den Arche-Einrichtungen Köln-Ehrenfeld, Leipzig-Eutritzsch, und Hamburg-Billstedt an. Eine Tiertherapeutin war mit einem Therapiehund vor Ort, um Kindern Achtsamkeit und positiven Beziehungsaufbau näherzubringen. In diesen ein- bis zweistündigen Veranstaltungen konnten die Kinder lernen, sich selbst und anderen gegenüber achtsam zu sein, um auf dieser Basis ein Selbstbewusstsein und Empathie anderen gegenüber entwickeln zu können.