Alleinerziehung in Deutschland

Alleinerziehung in Deutschland

Derzeit gibt es laut einer Studie von World Vision in Deutschland etwa 2,2 Millionen Personen, die ihre Kinder ohne Unterstützung eines Partners aufziehen. 87 Prozent davon sind Single-Mütter. Im Umkehrschluss ist also inzwischen nahezu jede fünfte Familie eine sogenannte Kleinstfamilie mit nur einem Elternteil, der sich der Alleinerziehung widmet. Alarmierend, aber nachvollziehbar ist, dass die Armutsquote bei der Alleinerziehung etwa dreimal so hoch ist wie bei durchschnittlichen Familien mit zwei Elternteilen. Häufig werden diese Kleinstfamilien mit ihren Problemen allein gelassen. Kein Wunder also, dass Alleinerziehende häufiger an psychischen Erkrankungen leiden. Das hat auch schwerwiegende Folgen für die Kinder. Sie unterliegen einem deutlich größeren Risiko für Verhaltensauffälligkeiten.

Die Studie zur Alleinerziehung der Bepanthen-Kinderförderung

2011 gab die Bepanthen-Kinderförderung bei der Universität Bielefeld eine sozialwissenschaftliche Studie zum Thema „Alleinerziehung“ in Auftrag, die vor allem deren Auswirkungen auf die physische und psychische Entwicklung von Kindern beleuchten sollte. Dazu wurden über einen Zeitraum von zwei Monaten 1.053 Sechs- bis Dreizehnjährige persönlich befragt. Auf den ersten Blick gibt es hier ein durchaus positives Ergebnis: Zwar stehen Alleinerziehende häufig unter einem größeren Druck, sind aber darum bemüht, dies nicht an ihre Kinder weiterzugeben. Einen negativen Einfluss nimmt allerdings die akute Armutslage, der Alleinerziehende häufig ausgeliefert sind. Schon die sechsjährigen Kinder geben in der Befragung an, dass nie genügend Geld da sei, um die für das Leben notwendigen Dinge anzuschaffen. Sie müssen bereits mit materiellen Einschränkungen leben, die durchaus großen Einfluss auf ihr Leben in- und außerhalb der Familie haben. Keinen Einfluss hat hingegen der soziale Status auf die Erziehungspraxis. Sie unterscheidet sich kaum zwischen Komplettfamilien und einer Alleinerziehung oder zwischen eher privilegierten beziehungsweise sozialschwachen Familien. Allerdings beeinflusst die soziale Lage die Fähigkeiten und die Belastbarkeit der Kinder.

Sozialkompetenz bei Kindern – eine wichtige Grundlage für das Leben

Laut der sozialwissenschaftlichen Studie der Bepanthen-Kinderförderung schätzen Kinder aus sozialschwachen Familien ihre eigenen Fähigkeiten schlechter ein als Kinder aus gut situierten Familien. Dieser Anteil erhöht sich, wenn die Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen. Hier wird häufig angegeben, man sei traurig, ohne einen Grund dafür benennen zu können. Außerdem fühlen sich Kinder aus einem sozial benachteiligten Umfeld häufig auch emotional belastet. All das kann sich auf ihre Sozialkompetenz auswirken. Das Institut für Frühpädagogik unterscheidet bei der Sozialkompetenz von Kindern zwei wesentliche Faktoren: die Selbstbehauptung und die Kooperationsfähigkeit. Unter Selbstbehauptung im positiven Sinn ist die Fähigkeit zu verstehen, eigene Interessen zu vertreten und sich bei Bedarf von anderen abzugrenzen. Diese Art der Selbstbehauptung muss strikt getrennt werden von Rücksichtslosigkeit, Aggressionen oder körperlicher Gewalt bei der Vertretung eigener Interessen. Häufig empfinden es Kinder aus sozialschwachen Familien allerdings als notwendig, sich zu wehren, notfalls auch mit Gewalt. Beim Aspekt der Kooperation geht es im Wesentlichen darum, ob Kinder in der Lage sind, Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen und ihres sozialen Umfelds zu nehmen. Das Einhalten von Regeln und die Fähigkeit, mit anderen gemeinsame Projekte zu realisieren, sind ebenfalls wichtige Bestandteile der sozialen Kompetenz bei Kindern. Da das Miteinander in der Alleinerziehung häufig auf einen sehr kleinen Personenkreis begrenzt ist, spielen hier Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen eine bedeutende Rolle. Auch das Kinderhilfsprojekt Arche bietet, unter anderem unterstützt durch die Bepanthen-Kinderförderung, mit verschiedenen Aktivitätsangeboten die Möglichkeit, die Sozialkompetenz von Kindern zu schulen und zu fördern.

Die Bedürfnisse sozial benachteiligter Kinder – Alleinerziehung ist kein Hindernis

Es ist nachweislich so, dass Alleinerziehende in Deutschland häufig mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben. Da bleibt wenig finanzieller Spielraum für die Bedürfnisse der Kinder. Doch das muss nicht per se ein Hinderungsgrund sein, sozial benachteiligte Kinder zu fördern und zu unterstützen. Vieles lässt sich auch ohne Geld organisieren. Anstelle des teuren Freizeitparks ist auch ein gemeinsamer Waldspaziergang mit Spurensuche, dem Sammeln von Blättern und Blumen und Tierbeobachtungen eine wunderbare Gelegenheit, den Kinderwünschen gerecht zu werden.