Gewalt gegen Kinder

Gewalt gegen Kinder

Die Bepanthen-Kinderförderung gab 2013 bei der Universität Bielefeld eine Studie zur Untersuchung der Themen „Missachtung bei Kindern“ und „Gewalt gegen Kinder“ in Auftrag. Die Befragten stammten aus der Altersklasse der Zehn- bis Sechzehnjährigen und die Anzahl von 900 Studienteilnehmern gewährleistete ein für die Bevölkerung repräsentatives Ergebnis. Bei der Studie lag der Schwerpunkt auf der Frage, ob es gravierende Unterschiede zwischen sogenannten privilegierten und armutsgefährdeten Kindern und Jugendlichen gibt. Der Verdacht, dass Familien aus einem sozialschwachen Umfeld häufiger zur Gewaltausübung neigen, bestätigte sich: Besonders in sozialschwachen Familien besteht ein erschreckend hohes Gewaltniveau. Für viele Kinder und Jugendliche gehört körperliche Gewalt zu ihrem Alltag.

Gewalt gegen Kinder ist verboten

Kinder in Deutschland haben ein gesetzlich verbrieftes Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Das ist festgelegt im § 1631 im Bürgerlichen Gesetzbuch. Anlass für diese Rechtsentscheidung ist die 1989 verabschiedete Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die von der Bundesrepublik Deutschland 1990 unterzeichnet und 1992 ratifiziert wurde. Danach dauerte es noch bis 2013, ehe das Gesetz zur Ächtung der Gewalt verabschiedet und damit das Recht des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung tatsächlich im deutschen Rechtssystem verankert wurden.

Im März 2012 startete das Forsa-Institut eine Umfrage, um zu prüfen, inwieweit die Gewalt gegen Kinder tatsächlich rückläufig sei. Das Ergebnis: Noch immer bestrafen etwa 40 Prozent der Eltern ihre Kinder auf die eine oder andere Art körperlich. Gewalt gegen Kinder ist also nach wie vor ein äußerst wichtiges Thema in der Gesellschaft.

Missachtung bei Kindern ist eine andere Form von Gewalt

Nicht immer äußert sich Gewalt gegen Kinder durch körperliche Attacken. Oft als wesentlich schlimmer empfunden wird die Missachtung bei Kindern. Als faul oder dumm beschimpft zu werden, erzeugt bei Jugendlichen das Gefühl, weniger wert zu sein. Versagensängste erhöhen den Stresslevel und können so zu aggressivem oder depressivem Verhalten beitragen. Solche verbalen Attacken gibt es nicht nur im Elternhaus, sondern auch immer wieder an Schulen und anderen Institutionen. Ähnlich gravierend sind die Folgen durch Mobbing von Kindern. Dabei muss dieses nicht ausschließlich im persönlichen Umgang miteinander erfolgen. Durch die regelmäßige Nutzung von Chats, Foren und sozialen Netzwerken im Internet erreicht das Mobbing von Kindern inzwischen eine ganz neue Dimension. Es kann unter Umständen zu einer völligen sozialen Isolation der Betroffenen und schlimmstenfalls zum Suizid führen.

Gravierende Folgen durch das Erleben von Gewalt gegen Kinder

Gewalt zu erleben oder mitzuerleben, greift massiv das eigene Sicherheitsgefühl an. Der deutsche Kinderschutzbund veröffentlichte eine Stellungnahme zur Gewaltprävention, deren zusammenfassende Ergebnisse auch durch eine UNICEF-Studie untermauert werden. Von Gewalt betroffene Heranwachsende haben in ihrem späteren Leben wesentlich häufiger unter Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Ängsten, Depressionen oder Wahnvorstellungen zu leiden als diejenigen, die in einer gewaltfreien Umgebung aufwachsen. Dabei sind nicht nur die körperlichen Folgen extrem schlimm; auch die psychische Gewalt, die sich nachhaltig auf die gesunde Entwicklung des Kindes auswirkt, ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Die Eltern-Kind-Beziehung spielt eine große Rolle beim Thema Gewalt gegen Kinder

Die Studie der Bepanthen-Kinderförderung zum Thema Gewalt gegen Kinder wurde von der Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank unterstützt. Sie bestätigt ganz klar, dass kein Kind gewalttätig geboren wird. Wer allerdings von Anfang an in einer Atmosphäre aufwächst, in der Gewalt als Lösung für alle Probleme herangezogen wird, hat kaum eine Chance, dieser Spirale zu entrinnen. Die Gefahr, dass diese Kinder und Jugendliche später selbst Gewalt gegen andere ausüben, ist somit erheblich. Die Gewaltstudie zeigt zudem, wie groß der Unterschied je nach sozialem Umfeld ausfällt. Die Anzahl der Kinder, die unter Gewalt leiden, ist im sozialschwachen Umfeld doppelt so hoch wie in besser situierten Familien. Hier ist nicht nur das Erkennen, sondern auch die Prävention gefragt. Familien müssen unterstützt werden, bevor sie in Krisensituationen geraten. Die Kinder selbst benötigen Anlaufstellen und Vertrauenspersonen, die ihnen aus ihrer misslichen Lage heraushelfen. Nicht zuletzt deshalb unterstützt die Bepanthen-Kinderförderung das Kinderhilfsprojekt Arche, das betroffenen Kindern genau diese Möglichkeiten bietet.