Stress bei Kindern

Stress bei Kindern

Eine in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld erstellte Studie der Bepanthen Kinderförderung beschäftigt sich mit den Ursachen, aber auch mit den Folgen von Stress bei Kindern. Insgesamt wurden 1.100 Kinder im Alter zwischen sechs und sechzehn Jahren befragt. Es kamen außerdem 1.039 Eltern zu Wort – und das Ergebnis ist alarmierend: Betroffen von Stress sind heute beinahe jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche.

Versagensängste durch den Erwartungsdruck der Eltern

Versagensängste, unter Umständen eine erhöhte Aggressivität sowie später auftretende Depressionen sind die möglichen Folgen, wenn Kinder unter Dauerstress leben. Auslösender Faktor sind, häufig sogar unbewusst, die eigenen Eltern. Vor allem wenn Kinder in der ständigen Angst leben, sie zu enttäuschen. Der Wunsch nach guten Noten und adäquaten Freizeitbeschäftigungen sowie das Streben nach sozialer Anerkennung führen zu einem extremen Druck, dem Kinder emotional überhaupt nicht gewachsen sind. Das andauernd hohe Stressniveau hat unterschiedliche Auswirkungen. Manche Kinder fühlen sich nutzlos und als Versager, wenn sie dem Erwartungsdruck der Eltern nicht gerecht werden, andere entwickeln Wut und Zorn auf ihre gesamte Umwelt. Das erhöht das Aggressionspotenzial und führt zu neuen Problemen.

Parentifizierung – ein großes Problem

Unter dem Begriff Parentifizierung versteht man einen Rollentausch zwischen Kindern und Eltern. Dieser entsteht immer dann, wenn Eltern nicht in der Lage sind, die Elternrolle auszufüllen, und Kinder einen großen Teil der elterlichen Aufgaben übernehmen müssen. Sie kümmern sich um den Haushalt, versorgen jüngere Geschwister und unterstützen die Eltern bei Behördengängen, Bankgeschäften und vielen weiteren Tätigkeiten, die in den Verantwortungsbereich der Erwachsenen gehören. Diese permanente Rollenumkehr sorgt dafür, dass die Kinder keine Freizeit mehr haben und ständig zwischen einem Gefühl der Macht und der Versagensangst leben. Das führt zu Stress bei Kindern, der sich später unter anderem in Essstörungen manifestieren kann. Dieses Untersuchungsergebnis unterstreicht auch eine Studie der Universität von Alabama, die mit etwa 2.500 Teilnehmern im Zeitraum 1984 bis 2010 durchgeführt wurde.

Körperliche und psychische Symptome von Stress bei Kindern

Die Sozialforschung der Bepanthen Kinderförderung beschäftigt sich ausgiebig mit der Frage, wie Eltern genau erkennen, dass ihre Kinder unter Stress leiden. Mit diesem Thema setzt sich auch die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychosomatik der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf auseinander. Zu den häufigsten Symptomen für Stress bei Kindern gehören Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Außerdem zeigen die Betroffenen, dass sie kaum noch in der Lage sind, mit Niederlagen umzugehen. Rein körperliche Symptome können zum Beispiel Verspannungen, Unruhe, Herzklopfen oder ein ständig trockener Mund sein. Kleinere Kinder reagieren auf Stress häufig mit Bauch- oder Kopfschmerzen, ohne dass körperliche Ursachen dafür erkennbar wären.

Eltern sensibilisieren, um Stress bei Kindern zu minimieren

Die meisten Eltern sind sich nicht darüber im Klaren, dass ihre Erwartungen bei den Kindern einen Leistungsdruck erzeugen, dem sie nicht gewachsen sind. Es ist deshalb wichtig, die Erwachsenen zu sensibilisieren und damit den Erwartungsdruck der Eltern auf die Kinder deutlich zurückzunehmen. Ein erster Schritt besteht in einem Blick auf den Terminplan des eigenen Kindes. Viele Kinder und Jugendliche haben neben der Schule noch zusätzliche feste Termine, über die sie manchmal nicht einmal selbst bestimmen dürfen. Wenn die Eltern möchten, dass der Sohn Fußball spielt, geht er wie selbstverständlich zum Training. Das Mädchen, das eigentlich lieber mit Freundinnen spielen würde, lernt Klavier oder Ballett, weil es die – vermeintlichen – Erwartungen der Eltern befriedigen möchte. Kinder benötigen aber freie Zeit, um sich entspannen und entfalten zu können. Das ist wichtig für ihre Entwicklung.

Wenn Sie Stresssymptome bei Ihren Kindern feststellen, sollten Sie versuchen nachzufragen, ob es Probleme in der Schule oder im sozialen Umfeld gibt. Suchen Sie das Gespräch mit Lehrern und Erziehern. Diese Personen verbringen viel Zeit mit Ihrem Nachwuchs und können helfen, den Stress zu reduzieren. Überprüfen Sie auch, wie Sie selbst mit Stress umgehen. Kinder nehmen sich oft ein Beispiel an ihren Eltern. Ein ganz wichtiger Punkt für Heranwachsende sind feste Rituale. Gemeinsame Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und gemeinsame Unternehmungen sind eine gute Möglichkeit, den Stresslevel zu senken.